Mieminger Imker unterhält 45 Bienenvölker – Der Honig ist des Fleißes Lohn

Oskar und Walter Burgschwaiger - Altmeister der Imkerei, Foto: Knut Kuckel
Oskar und Walter Burgschwaiger - Altmeister der Imkerei, Foto: Knut Kuckel
Die wichtigste Botschaft vorweg: Unseren Bienen geht es ein wenig besser. Im vergangenen Jahr und in den Honig-Ernte Jahren davor, klagten die Imker über sinkende Ertragszahlen. Heuer zeichnet sich anscheinend eine Wende ab.

Oskar und Walter Burgschwaiger hoffen, dass ihnen ihre 45 Bienenvölker einen Honig-Ertrag von ca. 300 Kilogramm bescheren. „Das wäre deutlich mehr als im letzten Jahr. Regionale Maßnahmen gegen das Bienensterben zeigen offensichtlich – vorsichtig formuliert – erste Früchte“. 

Die Imkerschule in Imst errechnete einen durchschnittlichen Honigertrag von noch 15 Kilogramm pro Volk. Das war vorgestern. Heute freut sich der Imker über die Hälfte.

Die Honig-Ernte ist des Fleißes Lohn

Die Honig-Ernte ist für den Imker nicht nur der Höhepunkt seiner Arbeit, sie ist auch der Lohn für die Pflege seiner Bienenvölker. Das ist eine Arbeit, die sich über das ganze Jahr hinzieht. Gleichzeitig ist sie ein Nachweis für die Sammeltätigkeit und den Fleiß der Honigbienen.

Bienen sterben ohne sichtbaren Grund

Ein Drittel der menschlichen Nahrung hängt heute unmittelbar von der Biene ab, dem wichtigsten Bestäuber von Pflanzen. Doch seit mehreren Jahren sterben weltweit Milliarden von Bienen ohne sichtbaren Grund. Über die Ursachen gibt es bisher nur Vermutungen – Genmutation, neue Pestizide, Mobilfunkstrahlungen, ein Virus -, aber keine endgültige Erkenntnis. Die chemische Industrie kennt Gifte gegen tierische Schädlinge (Pestizide). Die Industrie nennt sie „Pflanzenschutzmittel“. Gegenprobe: 200 Proben ziehen die Tiroler Imker pro Jahr von ihrem Honig. 1500 Bienen-Proben müssen jährlich im Rahmen der Bienen-Untersuchungen entnommen werden.

Schädlingsbekämpfung

Wenn wir nachschlagen, was es da im Einzelnen gibt, fühlt man einen Druck im Magen: “ Bakterizide gegen Bakterien, Fungizide gegen Pilze, bzw. Pilzkrankheiten,Viruzide gegen Viren, Akarizide gegen Milben, Insektizide gegen Insekten, Ovizide gegen (Insekten-)Eier, Molluskizide gegen Schnecken, Nematizide gegen Fadenwürmer (Nematoden), Rodentizide gegen Nagetiere, Avizide gegen Vögel, Herbizide gegen Pflanzen, Algizide gegen Algen, Graminizide gegen Gräser, Arborizide gegen Gehölze (Quelle: → Wikipedia, Pestizid).

Wie viel Gift darf sein?

Es gibt EU-Datenbanken, in denen alle Gifte aufgeführt sind. Die EU will andererseits aber auch die Verbraucher schützen, indem sie Pestizid-Rückstände in Lebensmitteln sucht bzw. untersucht. Die europäische Politik empfiehlt Leitlinien und erlässt Verordnungen. Die nationale Politik hält da nicht immer Schritt.

Wir setzen auf Aufklärung und Vernunft

„Wir setzen auf Aufklärung und die Vernunft unserer Bauern“, sagt Oskar Burgschwaiger, oberster Imker in der Region Mieminger Plateau. „Unsere Tiroler Mais-Bauern wollen vorangehen und in einem dreijährigen Versuch auf den Einsatz gefährlicher Pflanzenschutzmittel verzichten“, so Oskar Burgschwaiger, „und in Tirol scheinen sich die Bauern seit vergangenem Jahr auch daran zu halten, denn die Bienen erholen sich langsam wieder“. Diese gute Nachricht gelte auf alle Fälle für dieses Jahr. Wie sich die Dinge in den Folgejahren abzeichnen, bleibe abzuwarten.

EU-Politik zum Schutz der Biene

„Wenn die Biene stirbt, stirbt der Mensch“, soll Albert Einstein gesagt haben. Das Zitat war oft zu hören, wurde aber leider nicht in allen europäischen Ländern ernst genommen. In den meisten EU-Ländern weiß man schon lange, das Schädlinge, aber besonders auch Insektizide und Monokulturen für das Sterben unserer Bienenvölker verantwortlich sein können. Sie stimmten für ein Verbot des Einsatzes von Pestiziden in der Landwirtschaft. Wir sollten uns allerdings davor hüten, mit dem Finger allein auf die Landwirtschaft zu zeigen. Schauen wir doch mal in unseren Häusern und Wohnungen nach, was da so alles im Verborgenen lagert?

150 Milliaren Euro erwirtschaften die Bienen weltweit

Wenn unsere Bienen Schlagzeilen machen, ist meist Gefahr im Verzug. Dabei gelten die Bienen inzwischen bei uns, neben Rindern und Schweinen, als drittwichtigstes Nutztier. Bienen sind mit einem Anteil von ca. 80 Prozent die wichtigsten Bestäuber unserer Kultur- und Wildpflanzen. Weltweit wird der Nutzwert der Honigbiene auf über 150 Milliarden Euro geschätzt.

Mehr als fünf Millionen Bienen „arbeiten“ in Mieming

Allein in Tirol reduzierte sich in den letzten 13 Jahren die Zahl der Bienenvölker um geschätzte 7-tausend. Das sind gewaltige Zahlen, wenn man bedenkt, dass zu einem Bienenvolk ca. 50-tausend Bienen gehören. 110 Bienenvölker beteiligen sich in Mieming an der Produktion unseres begehrten „Tiroler Bienen-Honigs“. Das sind im Sommer, in Zahlen, 5 ½ Millionen Bienen. „Kaum vorstellbar und mir erzählen die Leute immer, man sieht keine Bienen mehr“, so Oskar Burgschwaiger.

Überwiegend Waldhonig und Blütenhonig der Alpenrose

Den Honig saugen die Bienen aus dem Nektar der Blüten. In der Region rund um die Mieminger Berge wird meist Waldhonig und Blütenhonig von der Alpenrose erzeugt. Der Waldhonig stammt von den unterschiedlichen Pflanzenarten ab, die hierzulande heimisch sind. Der Waldhonig hat einen kräftigen, leicht herben Geschmack und eine helle bis dunkelbraune Farbe.

Honig – das gesunde Lebensmittel

Honig besteht aus etwa 200 verschiedenen Inhaltsstoffen. Die Zusammensetzung kann je nach Honigsorte sehr unterschiedlich sein. Die mengenmäßig wichtigsten Inhaltsstoffe sind Fruchtzucker (27 bis 44 %), Traubenzucker (22 bis 41 %) und Wasser (ca. 18 %). Weitere typische Inhaltsstoffe sind andere Zuckerarten, Pollen, Mineralstoffe, Proteine, Enzyme, Aminosäuren, Vitamine, Farb- und Aromastoffe. Honig ist meist flüssig. Nach längerer Lagerung kann er kristallisieren. „Ein warmes Wasserbad macht den Honig wieder flüssig“, rät Walter Burgschwaiger.

Honig der Imkerei Burgschwaiger, Mieming, Foto: Knut Kuckel
Honig der Imkerei Burgschwaiger, Mieming, Foto: Knut Kuckel

Honig-Ernte mit den Imkern

Nach ein paar Tagen im Gefolge von Oskar und Walter Burgschwaiger, den Altmeistern unserer heimischen Imkerei, hat man zum Honig und ihren Produzenten einen anderen Bezug. „Begleite uns bei der heurigen Honig-Ernte im Sommer“, schlug Oskar Burgschwaiger vor und dieses Angebot haben wir gerne angenommen. Oskar Burgschwaiger löste vor zwölf Jahren, seinen Vater Walter als Obmann im „Bienenzuchtverein Mieminger Plateau“ ab. Walter Burgschwaiger hatte 30 Jahre lang die Verantwortung für die regionale Imkerei und ist heute Ehren-Obmann im Verein.

Zweckgemeinschaft Bienen und Imker

Auf dem Mieminger Plateau gibt es ca. 16 aktive Imker, davon allein sechs Imker in Mieming. „Bienen und Imker sind eine Zweckgemeinschaft“, sagt Oskar Burgschwaiger. Er zeigt uns einen Teil seiner Bienenvölker in den Flaurlinger Bergen und in Mieming. Ihr Honig wird Ende Juli / Anfang August geerntet. Im Flaurlinger Wald holten wir die honigschweren Wabentafeln, die im Imkerkeller von Oskar Burgschwaiger geschleudert und gefiltert wurden. Für die Bienen aus den Flaurlinger Bergen beginnt nun die Ruhezeit. Was sie jetzt noch ernten, gehört ihnen. Über den Winter versorgen sie die Imker mit einer 50-prozentigen Zuckerlösung. Das reicht in der Regel bis zum Frühling. Falls nicht, wird nachgezuckert.

Bienenflug startet im Frühling

Wenn die Temperaturen günstig sind und es allen Bienen gut geht, startet der Bienenflug bei uns im Frühling. Frühestens im März/April. Im Mai sind die Bienen auch in unseren Gefilden längst produktiv. Die Honigbienen lieben die Sonne. Ihr Arbeitstag startet mit dem Sonnenaufgang.

Aufbruch ins „Tal der Königinnen“

Mitte August begeben wir uns ins „Tal der Königinnen“, ins Almenland Gaistal. Im Mieminger Gebirge sind die Bienen in unmittelbarer Nachbarschaft der Tillfussalm, Hochfeldern-, Ehrwalder und Seebenalm und den Ufern des Salzbaches. Die Belegstelle Gaistal (Bundesforste Österreich) wird seit rund 40 Jahren von Züchtern aus Hopfgarten bis St. Anton genutzt. Regional aus Mieming, aber auch aus Imst, Längenfeld, Silz, Mötz und Haiming. Jahr für Jahr bringen sie über 1600 Königinnen zur Begattung ins Gaistal. Nach dem Begattungsflug mit den Drohnen legt jede Königin bis zu 2000 Eier (am Tag!). Die männlichen Bienen, die Drohnen, dürfen sich nach getaner Arbeit von dieser Welt verabschieden. Die Bienen werfen sie hinaus. Leblos liegen sie vor den Bienenstöcken. Die Königinnen werden in unterschiedlichen Behältnissen, meist in einer kleinen, vergitterten „Reisebox“ wieder in die heimischen Bienenstöcke verbracht, damit sie dort neue Bienenvölker begründen können.

Nach der Schneeschmelze beginnt der Zyklus von neuem

„Nach der Schneeschmelze im Frühjahr, siehst Du nichts mehr“, sagt Oskar, „dann beginnt der Zyklus von neuem“. Das Bienenjahr unterliegt einem festen Jahreszyklus. Im Gegensatz zur Feldwirtschaft, wo der Jahreszyklus mit dem Frühjahr beginnt, beginnt die Honig-Ernte der Imker im Sommer.

Kontakt
Bienenzuchtverein Mieminger Plateau
Oskar Burgschwaiger, Obmann
Föhrenweg 3
6414 Mieming
Tel. +43 664 1765931
eMail: oskar.burgschwaiger[at]drei.at
Web: Facebook/Burgschwaiger’s Imkerei

Weblink: → Imkerschule der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Imst

Fotos: Knut Kuckel

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Knut Kuckel

Journalist / Publizist. Herausgeber von:
MediaNews.Blog“ – MediaNews.Blog informiert über die Themenbereiche Medien, Journalismus und Kommunikation.
OnMyWay.Photos“ – Foto-Blog. Mit Bildern und Kurzgeschichten von unterwegs.
Knut Kuckel – Persönliches Webportal
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