2. März 2024

Almabtrieb 2023 – Von Hochfeldern nach Obermieming

Almabtrieb Hochfeldern 2023
Das „Abfahren“  von Hochfeldern nach Obermieming fand heuer am 16. September 2023 statt. Die Menschen begrüßten  in Obermieming die heimkehrenden Hirten mit ihrem Helferteam und die Tiere.

 

„Um halbe sechse (5:30 Uhr) Treffpunkt bei mir zur gemeinschaftlichen Fahrt ins Gaistal. Um 7:00 spätestens geht’s los mit dem Almabtrieb, weil heint kannt s’Wetter hoaß wearn“, war die Einladung von Andreas Scharmer, Almobmann der Hochfeldernalm, an die Almbauern von Obermieming. 

Einige Hirten und Helfer waren schon am Vorabend beim Zusammentreiben der Tiere auf der Alm und haben dort übernachtet. Im heurigen Jahr steht ein besonders starkes Hirten- und Helferteam zur Verfügung. Die Hirten der benachbarten Almen haben es sich nicht nehmen lassen, dabei zu sein. Warum? Dazu später mehr.

Kaum am Viehgatter angekommen und ausgestiegen, ging es schon los: In 10 Sekunden steigt der Puls von 60 auf 150, die Almtiere sind kaum zu halten und wissen genau, es geht nach Hause. Das Hirtenteam ist ab jetzt für 35 km Fußmarsch gefordert, zuerst das Tempo zu drosseln, dann – einige Stunden später – die Tiere für den restlichen Heimweg zu motivieren.


Kurze Rast in Leutasch, hier wartet schon Silvia mit Verpflegung, wieder stoßen einige Helferinnen und Helfer zum Hirtenteam. Ab jetzt übernimmt die Freiwillige Feuerwehr Mieming die Absicherung des Almabtriebes. Weiter geht’s über „Mundes Knie“ Richtung Buchen. In Buchen wird das Hirtenteam wieder verstärkt.

Bei „Haundls Bank“ wird die Landesstraße verlassen und es geht recht herausfordernd über den steilen Weg nach Brand und weiter nach Telfs. Durch Telfs geleitet neben der Feuerwehr Mieming auch die Polizei den Viehtrieb sicher durch den Ort.


Beim Gerhardshof vorbei wieder auf der Bundesstraße ist der Rastplatz vor dem Einzug in Obermieming bei Affenhausen bald erreicht.

Jetzt wird noch einmal ausgiebig gerastet, die Tiere werden aufgeprostert – nach altem Brauch nur, wenn der Almsommer unfallfrei für Mensch und Tier verlaufen ist – nachdem sich alle frisch gemacht haben geht es weiter nach Obermieming und zum Kälberhag. 


Martin Reich, Manuel Kapeller – er war den Almsommer über Martin’s verlässlicher Helfer in allen Belangen –  und das Hirtenteam haben an diesem Tag 35 km härteste Hirtenarbeit hinter sich, die Anstrengung sieht man allen an, aber auch die Erleichterung und die Freude, jetzt daheim angekommen zu sein.

„Es ist alles gut gegangen, 230 Tiere waren auf der Hochfeldernalm und alle 230 Tiere sind jetzt wieder heil in Obermieming angekommen. Ich bedanke mich bei allen, die zu diesem erfolgreichen Almsommer in irgendeiner Weise beigetragen haben”, so Almobmann Andreas Scharmer, „die Begeisterung und der Zusammenhalt bei den Obermieminger Almbauern, den nicht mehr aktiven Bauern und den vielen Helferinnen und Helfer ist einmalig, einfach genial. Schon ab dem Kindergarten wird über den Almabtrieb geredet und alle wollen dabei sein.“

Martin Reich geht mit seiner Familie zurück nach Hause ins Ötztal

Martin Reich wird leider die Hochfeldernalm verlassen. „Es ist die Zeit jetzt, die Kloane wird zuhause im Ötztal in den Kindergarten gehen, es ist die Zeit,  sich um die Familie zu kümmern und Neues zuzulassen.“

Martin hat vor 9 Jahren seine Liebe zum „schönsten Platzl Tirols“, wie Almobmann Andreas Scharmer die Hochfeldernalm nennt, entdeckt, als Baggerfahrer wohlgemerkt.  So begann eine unnachahmliche und bemerkenswerte Zusammenarbeit mit der AG Feldernalm. Während des Umbaues war die Holzhütte sein Zuhause, nach Fertigstellung der neuen Hochfeldernalm war die 1. Wintersaison – bisher hatte es das noch nie gegeben – die große Herausforderung. Diese erste  Wintersaison erfolgreich absolviert, galt es im Sommer noch zusätzlich die Hirtenarbeit zu organisieren. Mit Fabio Riml hatte Martin einen kongenialen Partner gefunden. Durch harte Arbeit und unermüdlichem Einsatz machten beide mit ihrem Team die Hochfeldernalm zu dem, was sie heute ist. Fabio hat sich vor 3 Jahren aus familiären Gründen von der Hochfeldernalm verabschiedet und führt heute in seiner Heimat die Jausenstation Wiesle. 
So kam es auch, dass die Hirtenkollegen der benachbarten Almen als Zeichen der Wertschätzung „unseren“ Martin bei seinem letzten Almabtrieb begleitet haben. 

Danke Martin, für Deine Arbeit, für Deine Loyalität, für Dein und Deiner Familie Herzblut, das Ihr in das Projekt Hochfeldernalm gesteckt habt. Ohne Dich, ohne Euch wäre das nicht möglich gewesen.

Das Almabtriebsfestl – übrigens das 20. in der Form wie es jetzt abgehalten wird –  am Kälberhag gestaltete in bewährter Art und Weise wieder die Bergrettung Mieming. Almobmann Andreas Scharmer überreichte als Dank und Erinnerung einen Proster und einen Kuchen an Martin und Isabella Reich.
Es war ein emotionales Festl und endete bei guten Gesprächen, irgendwann … 

Video:

Almabtrieb 2023 – unterwegs im Originalton (einige Stationen auf dem 35km langen Heimweg)
Almabtrieb 2023 – Seitenblicke

Fotos: Fam. Fischer
1. Unterwegs


2. Mittendrin


3. Von oben

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Andreas Fischer

Persönliche Interessen: Musik, Geschichten schreiben oder lesen. Ich spiele noch aktiv mit vielen netten MitmusikerInnen zuhause und öffentlich. Herausgeber des Blogs Zeitsprünge Mieming.
eMail: andreas.fischer@mieming.online
https://www.facebook.com/ZeitspruengeMieming/

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