Ein Baum wird „Mai-Baum“ – Wir begleiten die stattliche Fichte zum Fest

Vom Baumfällen bis zum Aufstellen des Maibaumes vergingen weniger als 70 Minuten. Foto: Knut Kuckel
Vom Baumfällen bis zum Aufstellen des Maibaumes vergingen weniger als 70 Minuten. Foto: Knut Kuckel
Die Bilder gleichen sich. Jahr für Jahr, wenn in Mieming ein Maibaum gefällt wird. Unsere Redaktion bekam am Vorabend zum 1. Mai einen Anruf vom Ortsbauern Benedikt van Staa: „Wir treffen uns morgen zum Maibaumfällen. Um 7 Uhr, am Rinderhag in Barwies. Seid ihr dabei?“

Keine Frage. Wir sagen „ja“. Ohne darüber lange nachzudenken. Beim Maibaumschlagen dabei sein zu dürfen ist eine Ehre – jeder Maibaum hat seine eigene Geschichte und davon etwas zu erfahren, ist vor dem Maifest so etwas wie ein Höhepunkt. Allerdings endet die Geschichte des Maibaums schon bald. Spätestens Mitte bis Ende Juni. Dann geht er in das Eigentum jenes Menschen über, der ihn heute Nachmittag beim Maifest ersteigern wird.

Punkt 7 Uhr treffen wir am Parkplatz zum Waldschwimmbad den Krabacher Karl mit seinem alten Traktor. Wir dürfen aufsitzen und fahren zu der Stelle, die der Karl humorvoll den „Maibaum-Bichl“ nennt. „Hier haben wir schon den ein oder anderen Maibaum gefunden. Die Stelle ist ideal. Weil die Bäume viel Licht haben, wachsen sie kerzengerade in den Himmel.“

Kaum angekommen, fährt der Holzeis Michael vor. Sein Geschäft ist es, Holz zu schlagen und den Wald zu pflegen. Heute arbeitet er – wie all die anderen – für Gotteslohn.

Karl Krabacher zeigt dem Holzeis Michel, welchen Baum er nehmen würde. Dann geht alles ganz schnell. In den Baum wird eine Fallkerbe geschnitzt. Dann geht der Michel in die Hocke. Mit dem Rücken zum Baum und umfasst ihn mit beiden Armen. „Die Fallkerbe und die gestreckten Arme ergeben eine Gerade“, erklärt er uns. „Das ist die Fallrichtung.“ Dann kommt die Motorsäge zum Einsatz und zum Schluss bestimmt ein in die Fallkerbe geschlagener Keil die endgültige Fällrichtung.

Dieser Vorgang dauerte nur zwei/drei Minuten. Dann fällt der Baum in die gewünschte Richtung. Alles sieht so einfach aus. Baumfällen ist aber eine Kunst. Michael Holzeis ist – was das angeht – ein über die Dorfgrenzen hinweg anerkannter Künstler.

Benedikt van Staa mit Sohn Beni Junior treffen ein. Der langjährige Mieminger Ortsbauer schaut sich als Erster den Baum an und nickt zufrieden. „Gut gemacht, Manda!“

Der auserlesene Baum, eine ca. 150 Jahre alte Fichte, stand noch kurz vor seiner Umwandlung zum Maibaum in einem Waldstück der Agrargemeinschaft Barwies. Benedikt van Staa hat den gerade gewachsenen Baum vor dem Aufstellen gemessen. „Der ist 26 Meter lang“, lässt er uns anschließend wissen.

Vor dem Abtransport werden die Äste abgesägt und die Rinde geschält. Dann geschieht das Unerwünschte: Beim Anheben des Baumes bricht die Krone ab. Die am Boden liegende Baumkrone misst geschätzte zwei Meter.

„Das kommt vor“, beruhigt Karl Krabacher. „Michel wird das wieder hinkriegen.“

In der Zwischenzeit sind Stefan Zimmermann und Karl „Charly“ Wett eingetroffen. Ebenfalls zwei gestandene Waldbauern. Charly und Stefan bereiten den Abtransport des Maibaums nach Barwies vor.

Als der Baum von den Transportfahrzeugen am Wallnöferplatz eintrifft, zeigt die Kirchturmuhr in Barwies gerade 8.10 Uhr an. Das war bis dahin alles eine reife Leistung.

Auf die Baumfäller-Crew wartet der Reindl Herbert. Ein Maibaum-Experte mit jahrzehntelanger Erfahrung. Er macht den „Stamm schön“. Dazu braucht er eine Schleifmaschine und noch ein paar helfende Hände. „Richtig glatt muss er sein“, sagt der Reindl Herbert. „Damit sich die Baumkraxler nicht verletzten.“

Der Wallnöfer-Platz in Barwies beginnt zu leben. Im Minutentakt treffen alle ein, die das Maifest vorbereiten. Daniela Kapeller bringt den ersten Kuchen. Von der Bergrettung Mieming treffen Romana Mair und Johannes Klein ein. Sie organisieren vorab die technische Umsetzung der Sicherungen für das spätere Maibaumkraxeln.

Die Jungbauern um Obmann Elias Kapeller helfen überall. Beim Aufstellen der Marktstandln, bei der Platzgestaltung und beim Aufrichten der Hüpfburg, hinter dem Stall der Familie Wallnöfer.
Alles scheint in Bewegung zu sein. Die ersten Kinder helfen beim Schmücken des Maibaumes, der inzwischen wieder eine feste Krone hat, frühe Besucher lassen sich auf den Bänken nieder und leisten den Schaulustigen auf den Balkonen der Häuser rund um den Wallnöferplatz beim „Sightseeing“ Gesellschaft.

Ein Regio-Bus hält an der Bushaltestelle. Die Passagiere beobachten während des Halts amüsiert das bunte Treiben.

Daniela Kapeller schaut besorgt auf ihre Armbanduhr. „Schaffen wir das???“ – „Wir schaffen das!!!“ antwortet Verena van Staa. Die beiden gehören zum Team der Mieminger Bäuerinnen. Sie schmücken den Maibaum. Katharina van Staa soll das heute lernen. Ihre Mutter gibt Anweisungen. Dann geht schon alles wie am Schnürchen. Seit zehn Jahren schmücken Daniela Kapeller und Verena van  Staa Maibäume. Ihre Erfahrung ist gefragt.

Die Baumkrone wird mit roten und weißen Schleifen geschmückt. Zur Belohnung der erfolgreichen Maibaumkraxler werden große Brezn und Geldgutscheine der Raika angehängt.

Zeit für einen ersten Espresso bei „Thomas‘ Kaffee“. Die Telfer Kaffee-Rösterei verkauft ihre Produkte auch im Hofladen am Steirerhof in Obermieming. Sylvia und Thomas Hofer sind schon mit ihrem Standaufbau fertig und kümmern sich um erste Gäste.

Das Baumaufstellen geht so schnell wie alles andere zuvor. Der Blick zum Kirchturm der Pfarrkirche zeigt, es ist gerade mal 8.45 Uhr. Der Maibaum steht. Vor der Kulisse von Mieminger Kette und dem fast wolkenlosen blauen Himmel, eine wirklich stattliche Erscheinung. „Vor vier Jahren konnten noch ein paar Burschen (vermutlich aus Mötz) unseren Maibaum absägen“, erzählt Jungbauernobmann Elias Kapeller. „Das passiert uns heute nicht mehr. Deshalb wird seither der Maibaum immer am Morgen des Maifesttages geschlagen und aufgestellt. Das hat sich bewährt.“

Die Tradition verbietet es bei uns in Tirol, am Tag des Maifestes noch Hand an den Maibaum zu legen. 

Das erweiterte Team der Jungbauernschaft / Landjugend Mieming richtet die Imbiss-Standl ein, das Team um Theresa Wallnöfer kümmert sich um den Bierstand. Punkt 9 Uhr wird das erste Stiegl serviert.

Die „Stiegl-Buam“ sollen um 11 Uhr den Anfang machen. Die beiden Musiker bauen ihre Instrumente, Verstärker und Lautsprecher-Boxen auf. Dann ihre Kollegen, mit denen sie beim Maifest für Unterhaltung sorgen sollen. Eine Premiere wird das, für die „5er Musig“ – einer Blasmusik-Formation aus Wildermieming und Mieming.

Wir schließen uns dem Maibaum-Team und allen anderen Helferinnen und Helfern an. Machen uns fein für das Maifest 2018 in Mieming.

In diesem Sinne – wir sehen uns später. Bis dahin und alles Gute!

Maifest 2018 in Barwies – „Alles stimmte, das Wetter, die Stimmung und das Programm“

Fotos: Knut Kuckel

Alle Fotos zum Anschauen und/oder Herunterladen bei Google-Fotos Quellenhinweis: Knut Kuckel/Mieming.online

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